Autor: Johanna Kromp am 24. Juli 2007 um 16:48 Uhr /

Unser Tagesablauf im Paradies gestaltet sich folgendermaßen:
Pünktlich gegen 8 Uhr erwache ich aus einem angenehmen Schlaf und verbringe die folgenden 30 Minuten damit, Jörg zum Aufstehen zu überreden. Das ist natürlich selten von sofortigem Erfolg gekrönt und kostet mich einiges an Geduld.
Gegen 9 Uhr ist Jörg dann endlich frisch geduscht, rasiert und sogar angezogen, so dass wir uns – endlich – zum Frühstück begeben können. Dieses ist wie immer “ganz okay” und der Kaffee ist vielleicht etwas zu stark, jedoch formidabel genug, um mich noch munterer zu machen, als ich ohnehin schon bin. Jörg hingegen trinkt grundsätzlich keinen Kaffee und jeder zweite Satz handelt von seiner unermesslichen Müdigkeit – ich übe mich in mitfühlender Ignoranz.
Gegen 10 Uhr haben wir uns bereits mit extra-starker Sonnencreme eingeschmiert (was uns noch blasser macht) und peinliche, kurze Hosen übergeworfen, mit denen man uns unschwer als Touristen erkennen mag.
Die kurzen Hosen und das ganze andere Zeugs dienen dem Strandvergnügen, was vornehmlich aus Kämpfen mit dem Sonnenschirm, heimlichem Knutschen, Lesen und Diskussionen darüber besteht, dass Jörg sich ruhig oben herum freimachen könne.
Gegen 12 bringt uns die Vernunft und die Unvernunft der den Strand schlagartig zur Mittagshitze besiedelnden Touristenmassen, dazu, dann doch lieber nach Hause zu gehen.
Dort machen wir dann genauso weiter, wie zuvor, nur eben nicht am Strand, sondern im Bett mit Fernsehen und Schlafen.
Nachdem wir dann der Annahme sind, es sei kühler geworden, versuchen wir uns in sportlicher Betätigung.
Gestern war es Mini-Golf, wobei Jörg immer knapp gewann und heute werden wir – aber das schrieb ich ja bereits – mit dem Rad ein Abenteuer unternehmen. Jörg hat extra seinen Pulsmesser mitgenommen und wird strickt danach, und deshalb vielleicht sehr, sehr langsam fahren.
Nach dieser, wie auch immer ausartenden sportlichen Betätigung, hängen wir wieder ein wenig herum und warten, mit scharrenden Hufen, auf die Eröffnung des Abendessens. Das beste am Abendessen ist der Nachtisch, zu dem es leider nur in geringer Menge kommt, da ich einfach zu schnell zu satt bin. So ein Ärger.
Nach dem Essen rollen wir uns nach Hause, trinken ein Heineken-Bier und schlafen ein.
Das Radfahren war schrecklich. Und Zwar waren die hoteleigenen Mountainbikes bereits weg und uns blieb nur die Wahl zwischen Damen– oder Herren–Trekking-Rädern. Trekkingräder kommen gleich hinter Trekkingsandalen und wir taten uns etwas schwer damit. Jörg, der vorausfuhr, kam nach kurzer Zeit auf die Idee, den steilsten Berg, den ich jemals gesehen habe, mit besagtem Fahrrad hochzufahren. Das klappte auch ganz gut, nur dass hinter mir ein Auto kam, welches auf der engen Fahrbahn unmöglich an mir hätte vorbeifahren können. Da ich auf Trekkingrädern und vor allem bei steilen Bergstraßen selten über Schrittgeschwindigkeit hinauszukommen scheine, musste ich anhalten und hatte ab diesem Moment irgendwie keine Lust mehr. Nach einigem Gezeter meinerseits entschlossen wir uns dann, einfach geradeaus auf der Landstraße zu fahren. Da war gab es nur mittlere Hügel, kein großes Problem also – wäre da nicht Jörgs, wahrscheinlich korrekte aber nervige, Bergfahrtechnik mit der Pulsuhr. Jörg fuhr also unglaublich langsam. Entweder musste ich auf ihn warten oder aber wurde ausgebremst und um meinen Schwung gebracht. Ich ziehe es nämlich vor, mit vollem Krafteinsatz die Steigung zu erklimmen und mir dann den Schwung der Abfahrt für den nächsten Hügel zunutze zu machen. So muss man im Grunde genommen immer nur kurz vorm nächsten Zenit ordentlich treten. Die verfrühte Aufgabe hatte allerdings nichts mit unseren inkompatiblen Fahrstilen zu tun, sondern eher mit der unglaublichen Hitze. Wir schwitzten am ganzen Körper und mein Kopf war irre rot.
Dieser Misstand hatte aber etwas gutes: Zum ersten Mal verspürte auch Jörg das unbändige Verlangen danach, sich nur mit einer Badehose bekleidet ins kühle Meer zu begeben. Leider hatte Jörg diese Aktivität bereits vorm Urlaub kategorisch ausgeschlossen und einfach keine Badehose mitgenommen. Nun mussten wir also eine kaufen, was sich kompliziert, bisweilen sogar anstrengend gestaltete. Zum einen waren die verfügbaren Hosen allesamt sehr hässlich und zum anderen fast nur in XL und XXL zu bekommen. Das sei ihm beides viel zu groß, sagte Jörg und ich nahm an, er hätte recht. Somit kauften wir eine hässliche Hose in der Größe M, die dann aber doch so knapp saß, dass Jörg lieber seine Tennishose zum Baden trug. Das Meer war unglaublich toll, besonders, nachdem ich meine Angst vor dem Meeresboden, der tatsächlich nur aus Sand besteht, überwunden hatte.
Meine Angst rührt daher, dass meine Eltern mit uns Kindern stets nur an Nord– oder Ostsee Urlaub machten, wo man – wie ich finde – nicht unbedingt barfuss zwischen all den Quallen, Krebsen und Algen herumtollen sollte.
Entsprechend groß war mein Trauma und entsprechend lange dauerte es, bis ich die Luftmatratze losliess und ruhig neben Jörg, der im Übrigen ein ausgezeichneter Schwimmer ist, im Wasser stehen mochte.
Nun waren wir gerade – endlich, endlich, endlich – frühstücken und alsbald gehen wir zum Strand.
Leider ist es heute so windig, dass sich die Wellen schon am Horizont überschlagen. Da setze ich natürlich keinen Fuss rein – was auch nicht gut ginge, denn das Meer, als Gefahrenquelle, ist großräumig abgesperrt.